Bei biologischen Verfahren der Abwasserreinigung spielt der Eintrag von Sauerstoff in die Belebungsbecken eine entscheidende Rolle für den Abbau von unerwünschten Wasserinhaltsstoffen. Herkömmliche Belüftungsmethoden auf der Grundlage von Luftsauerstoff bringen auch die in der Luft enthaltenen rd. 78 % Stickstoff in die Becken mit ein. Dieser ist für den Bakterienstoffwechsel jedoch nicht verwertbar. Für die Nutzung der in der Luft enthaltenen 22 % Sauerstoff muss daher der Energieverbrauch für 100 % Luftvolumen aufgebracht werden. Auf die Belüftung als größter Einzelenergieverbraucher einer Kläranlage (ca. 40 und 80 % des Gesamtenergieverbrauchs) wirken sich Innovationen zur Erhöhung des Sauerstoffanteils in 100 % Volumenstrom besonders stark auf die Gesamtenergiebilanz einer Kläranlage aus. Durch die Erhöhung der Sauerstoffverfügbarkeit stellt Reinsauerstoff eine sehr effiziente Alternative im Vergleich zur Zugabe von Umgebungsluft dar. Neben einem deutlich geringeren Energieverbrauch ergeben sich zusätzliche Vorteile bei der Prozessstabilität und der Schlammentsorgung. So wird durch den Einsatz von Reinsauerstoff im Vergleich zur konventionellen Belüftung die Sauerstoffaufnahme der Bakterien deutlich verbessert, was sich in höheren Abbauraten niederschlägt. Dadurch können bei gleicher Schmutzstoffkonzentration die Belebungsbecken beim Einsatz von Reinsauerstoff deutlich kleiner dimensioniert bzw. bei bestehenden Belebungsbecken eine entsprechende Steigerung der Leistungsfähigkeit erzielt werden (so dass ggf. eine erforderliche Erweiterung vermeidbar wird). Es ist seit längerem bekannt, dass der Einsatz von Reinsauerstoff positive Auswirkungen auf die Schlammeigenschaften hat und sich der Anfall an Überschussschlamm reduziert. Zudem führen die kleineren Gasvolumen zu geringeren Geruchsbelastungen.
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